Menü schließen




28.07.2025 | 05:00

Wasserstoff in Deutschland – wer löst das „Henne-Ei-Problem“? Pure Hydrogen, thyssenkrupp, NEL

  • Wasserstoff
Bildquelle: pexels.com

Deutschland will bis in zwanzig Jahren klimaneutral sein. Eine wichtige Rolle, um auch die Industrie nachhaltig aufzustellen, spielt Wasserstoff. Doch wie ein aktueller Artikel im Focus zeigt, hat Deutschland bei Wasserstoff ein „Henne-Ei-Problem“. Um die nötigen Investitionen in Wasserstoff-Infrastruktur anzuschieben, ist Planungssicherheit nötig. Doch die Industrie zögert noch – gerade in unsicheren Zeiten will man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das wiederum bietet kein Umfeld, um wichtige Voraussetzungen, wie Leitungen, Speicher oder dezentrale Elektrolyseure zu lancieren. Wie geht es weiter mit dem Wasserstoff-Standort Deutschland? Welche Aktie kann profitieren?

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: PURE HYDROGEN CORPORATION LIMITED | AU0000138190 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , THYSSENKRUPP NUCERA AG & CO KGAA | DE000NCA0001

Hole Dir die spannenden Kommentare direkt als Newsletter per E-Mail.

Jetzt kostenlos abonnieren

Inhaltsverzeichnis:


    thyssenkrupp: An Wasserstoff führt kein Weg vorbei

    Die nationale Wasserstoff-Strategie Deutschlands sieht vor, bis 2030 die heimische Elektrolysekapazität von 5 GW auf 10 GW auszubauen. Doch ob dieses Ziel erreicht wird, ist mehr als fraglich. Inzwischen geht man davon aus, dass große Teile des Wasserstoffs importiert werden. Wasserstoff ist in den vergangenen Jahren vom universellen Heilsbringer zum Energieträger für die Schwerindustrie geworden. Vor allem die Stahl- oder Chemieindustrie bleibt auf Wasserstoff angewiesen. Das wirkt sich auch auf die Marktchancen von Anbietern für Wasserstoff-Infrastruktur aus.

    Während Unternehmen wie thyssenkrupp und Wasserstoff-Tochter nucera sowohl als Verbraucher und auch als Lösungsanbieter auftreten und innerhalb dieses Industrie-Kreislaufs ein gutes Geschäft machen dürften, sieht die Situation in der Breite anders aus. Heute gilt grüner Wasserstoff nicht mehr als alleinige Lösung – das gilt vor allem vor dem Hintergrund von Produktionskosten in Deutschland sowie möglicher Netzentgelte. Vor allem der Mittelstand hält sich zurück. Unternehmen wie NEL, die noch vor einigen Jahren als Heilsbringer gefeiert wurden, leiden unter dieser Absatzschwäche.

    Bei NEL bricht das Geschäft ein

    Im 2. Quartal 2025 meldete der norwegische Wasserstoff-Pionier einen deutlichen Rückgang seiner Umsätze mit Kunden auf 174 Mio. NOK von 332 Mio. NOK im Vergleichszeitraum 2024. Das EBITDA war mit -86 Mio. NOK negativ. Noch schlimmer steht es um die Auftragseingänge – diese sanken im zweiten Quartal 2025 um 74 % gegenüber dem vergangenen Jahr. Als Folge der Flaute hat NEL sein Elektrolyseur-Werk im norwegischen Heroya vorübergehend stillgelegt. Der Ausbau der Fabrik in den USA, die von einer Kapazität von 50 MW auf 500 MW wachsen soll, geht aber weiter. Als Gründe für die Marktschwäche führt NEL höhere Zinsen sowie geringere staatliche Anreize an.

    Pure Hydrogen: Agil und technologieoffen zum Erfolg

    Aus dem aktuellen Marktumfeld Profit schlagen will das australische Unternehmen Pure Hydrogen. Das Unternehmen setzt auf ein umfassendes Wasserstoff-Ökosystem, das die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion bis zur Endanwendung abdeckt. Pure Hydrogen will Australien in eine Netto-Null-Zukunft führen, indem es ein Netzwerk von Anlagen zur Produktion von sauberem Wasserstoff aufbaut und gleichzeitig verschiedene Brennstoffzellenprodukte, wie Lastwagen, Busse und Generatoren, auf den Markt bringt. Dabei zeigt man sich bewusst technologieoffen und setzt neben grünem Wasserstoff aus erneuerbarer Energie auch auf türkisen Wasserstoff (Methanpyrolyse aus Erdgas, bei der Graphen als Nebenprodukt entsteht) und Smaragd-Wasserstoff aus Biomasse. Vor allem die Methanpyrolyse aus Erdgas ist interessant: Pure Hydrogen ist an Botala Energy beteiligt, das unter anderem in Botswana nach Gas sucht.

    Individuelle Branchenlösungen statt eines großen Wurfs

    In den vergangenen Quartalen zog das Geschäft von Pure Hydrogen merklich an – unter anderem bestellten Unternehmenskunden Sattelschlepper und Betonmischer. Letzterer wird im 4. Quartal 2025 an Heidelberg Materials Australia ausgeliefert. Diese konkreten Verkäufe in Nischenmärkten zeigen, wie ein agiles Unternehmen durch die Bereitstellung von umfassenden End-to-End-Lösungen die Nachfrage in spezifischen Segmenten bedienen kann. Dies löst das "Henne-Ei-Problem" in kleineren, überschaubaren Clustern, statt auf eine vollständig entwickelte nationale Pipeline-Infrastruktur zu warten, wie das gerade in Deutschland der Fall ist.

    Zwar gilt die Genehmigung des Wasserstoff-Kernnetzes durch die Bundesnetzagentur als wichtiger Schritt, um das „Henne-Ei-Problem“ rund um Wasserstoff in Deutschland zu lösen, doch könnte Pure Hydrogen gerade mit seinen agilen Ansätzen auf Nischenmärkten auch hierzulande durchstarten. Das Wasserstoff-Kernnetz sieht private Investitionen in Höhe von 18,9 Mrd. EUR sowie einen anfänglichen Deckel für die Netznutzungsentgelte vor. 60 % des Netzes besteht aus alten Erdgasleitungen, der Rest wird neu gebaut. Der vollständige Ausbau soll bis 2032 abgeschlossen sein. Bis dahin dürften die Unternehmen das Geschäft mit Wasserstoff machen, die agil sind und bestimmte Branchen mit passgenauen Lösungen bedienen können. Bei der Schwerindustrie dürften das Anbieter wie thyssenkrupp nucera sein, im Mittelstand oder der Logistik bieten sich flexible Lösungen an, wie sie Pure Hydrogen derzeit ausrollt. Auch eine gewisse Technologieoffenheit bei der Erstellung von Wasserstoff macht Sinn – gerade zu Anfang der Transformation.

    Pure Hydrogen: Neugeschäft hätte Signalwirkung für die Aktie

    Der Kursverlauf der Aktie von Pure Hydrogen untermauert die Ambitionen des Unternehmens – allein während der vergangenen sechs Monate ging es für die Aktie um satte 107 % nach oben. Mit einer Marktkapitalisierung um 30 Mio. EUR bleibt das Unternehmen jedoch vergleichsweise gering bewertet, Konkurrenten wie NEL sind an der Börse rund 420 Mio. EUR schwer. Investoren sollten die weitere Entwicklung des Geschäfts von Pure Hydrogen im Blick haben. Gelingt der Durchbruch bei neuen Branchen oder auf weiteren Märkten, hätte das Signalwirkung auch für die Aktie.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.

    Es besteht aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.

    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.kapitalerhoehungen.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Armin Schulz vom 18.08.2025 | 06:00

    Wasserstoff Renaissance – Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA wollen ein Stück vom 680 Mrd. USD Kuchen

    • Plug Power
    • Pure Hydrogen
    • Nel ASA
    • Wasserstoff
    • grüner Wasserstoff
    • Elektrolyseure
    • Wasserstoffantrieb
    • Wasserstoff-LKW
    • Nutzfahrzeuge

    Die globale Wasserstoffwirtschaft steht vor dem Durchbruch. Dieser wird getrieben von milliardenschweren Dekarbonisierungszielen, Unabhängigkeitsstreben von fossilen Brennstoffen und sinkenden Ökostromkosten. Das könnte die Nachfrage bis 2050 verfünffachen. Schon 2035 sollen 60 % des Energiebedarfs aus sauberer Produktion stammen, gestützt durch über 1.500 Großprojekte weltweit. Trotz Lücken zwischen Planung und Umsetzung signalisieren Investitionen von bis zu 680 Mrd. USD in den kommenden Jahren und bahnbrechende Industrieverträge einen irreversiblen Wandel. In diesem Momentum positionieren sich drei Schlüsselplayer strategisch: Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA.

    Zum Kommentar

    Kommentar von André Will-Laudien vom 18.08.2025 | 04:45

    Wasserstoff versus Kernkraft – 300 % mit Plug Power und dynaCERT, Vorsicht bei Oklo und NuScale

    • Wasserstoff
    • Kernkraft
    • Klimawende
    • Transport & Logistik
    • ESG
    • Nachhaltigkeit

    Die Brennstoffzelle gilt seit Jahren als Hoffnungsträger im Antriebsbereich, konnte sich im Automobilsektor aber bislang nur begrenzt etablieren. Während Batterien den Massenmarkt prägen, punkten Brennstoffzellen vor allem im Schwerlast- und Fernverkehr mit Reichweite und kurzen Tankzeiten sowie in stationären Systemen. Plug Power arbeitet an Infrastrukturprojekten, während dynaCERT mit Wasserstoffsystemen bestehende Antriebe effizienter macht und so als Brücke in die nächste Ära dienen kann. Parallel gewinnen Small Modular Reactors (SMRs) von Anbietern wie Oklo und NuScale an Bedeutung, da sie eine stabile, CO2-arme Energieversorgung für die Industrie sowie Wasserstoffproduktion versprechen. Für Anleger eröffnen sich Chancen in zwei Zukunftsmärkten: Nachhaltige Mobilität und Skalierbare Energielösungen – beide mit politischem Rückenwind und hohem Wachstumspotenzial. Wie sollten Anleger mit ihrem Depot verfahren?

    Zum Kommentar

    Kommentar von Nico Popp vom 07.08.2025 | 05:00

    Wasserstoff-Wende? Schlechte Nachrichten aus Afrika: First Hydrogen, thyssenkrupp nucera, BASF

    • Wasserstoff
    • Industrie

    Wie der Spiegel berichtet, könnte die Herstellung grünen Wasserstoffs in Afrika für den Export nach Europa teurer sein als gedacht. Darauf deuten Untersuchungen von Forschenden der TU München, Oxford und der ETH Zürich hin. Demnach könnten 2030 nur 2 % von rund 10.000 untersuchten Standorten in 31 afrikanischen Ländern zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren. Der Grund liegt in der Finanzierung. Die Finanzierungskosten liegen je nach Land in Afrika zwischen 8 und 27 % - zu viel, um konkurrenzfähig zu sein. Statt der geplanten Preisgarantien von 3 EUR je kg Wasserstoff müsste die EU 5 EUR garantieren, damit Wasserstoff zuverlässig aus Afrika nach Europa fließt. Was bedeutet das jetzt für die europäische Wasserstoff-Wirtschaft?

    Zum Kommentar